Kirche und Social Media

Auf dieser Seite wollen wir in Form eines Weblogs Anregungen geben, wie die Kommunikation über Social Media-Kanäle funktioniert und was andere über (Kirche in) Social Media berichten.

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"5 Fragen an ..." Martin Ivanovs

Martin Ivanovs, 31, arbeitet als Social Media Manager bei der Wiesbadener Kreativagentur Scholz & Volkmer, einer der ersten Digitalagenturen in Deutschland. Dort berät er Unternehmen wie die Lufthansa, Mercedes-Benz oder L’Oréal zu strategischen und konzeptionellen Fragen rund um Social Media und entwickelt mit seinem Team Inhalte für unterschiedliche Plattformen. Zuvor arbeitete er unter anderem für IKEA Deutschland und absolvierte den Master-Studiengang Medienmanagement am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Als ich 2007 ein halbes Jahr in Schweden studierte, kam ich zum ersten Mal mit Facebook in Kontakt. In dieser Zeit durfte ich viele internationale Bekanntschaften schließen, deshalb war/ist Facebook für mich privat auch heute noch das wichtigste Social-Media-Tool. Durch mein berufliches Interesse versuche ich, jedes neue Social-Media-Tool auszuprobieren – was mittlerweile völlig utopisch geworden ist. Heute nutze ich privat vor allem noch Twitter, Tumblr, Instagram und Pinterest.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit sozialen Netzwerken?
Ich versuche den Kunden durch fundierte Beratung Orientierung in der heute sehr unübersichtlichen, digitalen Landschaft zu geben. Welche Plattformen oder Tools könnten für sie interessant sein? Wie sieht die Community dort aus? Welche Themen interessieren die Nutzer und wie könnte eine Marke diese Themen relevant spielen?
Wichtig ist mir immer, den Kunden klar zu machen, dass Social Media weder ein Selbstzweck, noch kostenlose Werbung, noch ein vorübergehender Trend oder eine einzelne Plattform wie Facebook ist. Social Media ist aus meiner Sicht eine soziale Bewegung, die schon heute die Form, wie Unternehmen und Nutzer miteinander sprechen, extrem verändert hat. Und dies auf Jahrzehnte weiter tun wird. Ob Facebook als Angebot dann noch existiert, ist für mich nicht die relevante Frage.

3. Wie sind die Reaktionen auf die Social-Media-Aktivitäten Ihrer Kunden – sowohl von den Nutzern der Kanäle als auch von Verantwortlichen in den Unternehmen?
Als Social-Media-Manager in einer Kreativagentur für digitale Markenführung ist mein Ziel vor allem, Nutzer im Auftrag von Unternehmen mit relevanten Inhalten zu erreichen. Von den Nutzern wünschen wir uns Begeisterung, aber vor allem Beteiligung. Diese ist mal stärker und mal schwächer, wie Menschen eben so sind.
Bei den Unternehmensverantwortlichen, mit denen wir zusammenarbeiten, spüre ich eine über die Jahre gewachsene Kompetenz in der Erwartungshaltung und Evaluation von Social Media. Beide Reaktionen befruchten sich im besten Falle gegenseitig: Nutzer sagen, was sie brauchen und Unternehmen überprüfen dadurch immer wieder ihr Angebot.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Unternehmen, Verbände, Organisationen und Einzelpersonen haben durch Social Media erkannt, dass – nicht ganz überraschend – Menschen immer und überall über sie reden, und müssen nun überprüfen, welche Haltung sie dazu entwickeln wollen.
Für diese Herausforderung halte ich Begriffe für (sozial vage definierte) Phänomene wie „Shitstorms“ für sehr kontraproduktiv. Sie rufen eine reflexhafte Angst vor der Auseinandersetzung mit bestimmten Nutzergruppen oder Einzelnutzern hervor, anstatt den Glauben an die Chance zu fördern, dass durch Social-Media-Tools einzigartige Ideen für den Kontakt mit Menschen aus ganz speziellen Communitys entstehen können.

5. Für Sie als Branchenfremden: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Dadurch, dass viele Mitglieder meiner Familie in der evangelischen Kirche arbeiten, bin auch ich mit kirchlichen Angeboten aufgewachsen. Was mich an diesen Angeboten immer noch fasziniert, ist, in welcher Vielfalt sie für kleine, große und spezielle Communitys existieren – ob Jugendliche, Behinderte, Senioren, Familien, einsame Menschen, musikverliebte Menschen oder wen auch immer.
Diese „Community-Arbeit“ begreife ich als besonderes Alleinstellungsmerkmal der Kirchen. Und da Social Media und digitale Kommunikation gerade alle Bevölkerungsteile „durchwächst“, ist es für mich logisch, dass Kirchen diese einzigartigen Angebote auch auf diesen Wegen anbieten.
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Bild: Martin Ivanovs

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Sichere Nutzung von Internet und Social Media

Durch die Kollegen von Krautreporter bin ich auf den gestrigen „Safer Internet Day“ aufmerksam geworden. Dieser Tag widmet sich dem sichereren Umgang mit Internet und Social Media. Die Datenschutzbeauftragten der Länder haben dazu das neue Portal Young Data für Jugendliche online gestellt. Es widmet sich laut Selbstbeschreibung Datenschutz, Informationsfreiheit und „klugem Verhalten“ im Internet. Vier neu veröffentlichte Checklisten vom Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik sollen die Sicherheit beim Surfen, in Sozialen Netzwerken, beim Speichern in der Cloud und auf dem Smartphone verbessern. Netz-Experte Markus Beckedahl kritisiert im Interview mit tagesschau.de, dass die Bundesregierung einerseits stärkeren Datenschutz fordere und mehr Einsatz dafür ankündige, andererseits aber selbst immer mehr Daten sammeln wolle. Das Amt der Datenschutzbeauftragten sei ein echtes „Versorgungsamt“ und kaum sichtbar.
Marcel Drews vor mehr als 2 Jahre
Die Checklisten sind auch in unserem Download-Bereich abrufbar.
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"5 Fragen an ..." Nils Andresen

Nils Andresen (38, verh., drei Kinder) ist Fachleiter Presse und Social Media bei der Sparkasse Bremen AG. Er hat Kommunikationswissenschaft in Dresden studiert und bei Sparkassen in Hamburg und Bayern gearbeitet. Seit 2012 verantwortet er den Social Media-Auftritt der Sparkasse Bremen.

1.Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Ich nutze Facebook, Google und Xing seit 2012.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit sozialen Netzwerken?
Wir repräsentieren die Sparkasse Bremen in den sozialen Netzwerken, durch die wir unserer Meinung nach einen Nutzen für unsere Kunden und die interessierte Öffentlichkeit bieten können. Mein Anliegen ist es, hier einen Dialog zu ermöglichen. Daneben möchte ich die Sparkasse Bremen analog unseres Claims vorstellen: Stark. Fair. Hanseatisch. Als freie Sparkasse sind wir ein innovativer Marktführer und für unsere Kunden ein verlässlicher Partner auf Augenhöhe. Vor bald 190 Jahren sind wir aus einer Bürgerinitiative heraus entstanden und waren von Geburt an gemeinwohlorientiert. Letztlich sind es unsere Kunden, die dafür sorgen, dass wir die Bremerinnen und Bremern mit jährlich rund vier Millionen Euro aus unseren Erträgen unterstützen können.

3.Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social-Media-Aktivitäten – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen?
Sowohl unser Vorstand als auch unsere Mitarbeiter haben das Projekt von Beginn an unterstützt. Auch nach zwei Jahren, die wir jetzt in den sozialen Netzwerken aktiv sind, beteiligen sich unsere Mitarbeiter intensiv und sind für uns als Markenbotschafter unverzichtbar.
Unsere Nutzer aus dem Kreis unserer Kunden und der Bremer Öffentlichkeit interagieren ebenfalls sehr gut mit uns. Zu Beginn haben wir mit mehr Serviceanfragen gerechnet. Hier zeigt sich aber, dass unsere große Filialdichte sowie die Möglichkeiten, uns auf anderen Wegen zu erreichen, unseren Kunden gute Alternativen bieten.

4. Welche Chancen sehen Sie durch soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Wir haben die Möglichkeit, unseren Nutzern einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen oder interessante Geschichten zu erzählen. Wir möchten interessieren, unsere Kompetenz in Finanzdienstleistungen und natürlich unsere Verbundenheit mit unserem Geschäftsgebiet zeigen, die so vielfältig ist, dass sie von Rezipienten klassischer Medien nicht als Ganzes erfasst werden kann.

5. Für Sie als Branchenfremde: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Für mich ist es wichtig, authentisch zu sein und zu überlegen, wo gemeinsame Schnittmengen liegen. Dazu sollte ich mir im Vorfeld über die eigenen Ressourcen im Klaren sein und genau überlegen, wen ich ansprechen will. Es wird ohnehin kaum möglich sein, das gesamte gesellschaftliche Spektrum der Kirche in den sozialen Netzwerken zu bedienen. Das alles hat unmittelbare Auswirkungen auf die Auswahl der Kanäle und erleichtert es, realistische Ziele aufzustellen.
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Bild: Michael Ihle

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Wie Teenager Social Media sehen und nutzen

Üblicherweise zitieren wir in diesem Blog quantitative Studien, die belastbare Daten für eine bestimmte Gruppe liefern. In diesem interessanten Beitrag beschreibt ein amerikanischer Teenager rein subjektiv, welche sozialen Medien wie von Vertretern seiner Generation genutzt werden. Der Artikel ist sehr erhellend und bestätigt einige unserer Vermutungen: Facebook wird nur noch genutzt, weil alle dort sind und der Messenger praktisch ist. Instagram ist das Netzwerk der Stunde und Snapchat wird für alle Albernheiten und Peinlichkeiten benutzt. Es wird spannend zu sehen, ob die Entwicklung in Deutschland einen ähnlichen Verlauf nehmen wird.
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Bild: Backchannel

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"5 Fragen an ..." Die kestnergesellschaft

Zu den Personen: Nina Kuntz (Leitung Marketing) und Charlotte Schüling (Pressesprecherin) verantworten gemeinsam die Social-Media-Aktivitäten der kestnergesellschaft. Die kestnergesellschaft ist ein seit 1916 bestehender Kunstverein in Hannover, der Ausstellungen zeitgenössischer und internationaler Kunst zeigt.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Ich nutze vor allem Facebook, aber auch Xing und LinkedIn als berufliche Netzwerke. Auch wenn ich mich nicht bei jedem neuen Netzwerk anmelde – wie zum Beispiel zuletzt „Ello“ – verfolge ich die Entwicklungen und Trends sowie die neuen Funktionen.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Wir wollen informieren, auf dem Laufenden halten, nahbar, persönlich und ansprechbar sein, aber auch spannende kunstwissenschaftliche Inhalte vermitteln. Wir wollen neugierig machen und natürlich nicht zuletzt Besucher dazu anregen, sich die Ausstellungen anzusehen und sich mit Kunst auseinander zu setzen.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social-Media-Aktivitäten – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen?
Die Reaktionen sind nicht immer vorurteilsfrei. Das liegt oftmals daran, dass die Skeptiker sich nicht selbst mit den Kommunikationsmöglichkeiten auseinandersetzen.
Einige Mitarbeiter verfolgen die Aktivitäten, andere weniger. Das ist schade, da ich in den sozialen Netzwerken auch ein starkes Tool für die interne Kommunikation und vor allem die Stiftung von Identität sehe.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Die Sozialnetzwerke sind sehr schnell und agil. Inhalte und Termine können kurzfristig und unmittelbar verbreitet werden. Das erzeugt bei den Adressaten und Usern ein Gefühl live dabei zu sein, z. B. beim Ausstellungsaufbau oder beim Blick hinter die Kulissen. Das emotionalisiert und ist relevant für die Bindung unserer Mitglieder, Besucher und Freunde. Eine Herausforderung, aber auch eine große Chance ist es, wirkliche Teilhabe zu erzeugen, aber dann erfährt man am besten, was funktioniert und was nicht.

5. Für Sie als Branchenfremde: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Wie im Kunstbereich sind Gläubige grundsätzlich sehr offen, interessiert und loyal. Kultur, wie auch Glaube sind wichtige Werte, die erst durch die Partizipation und den Austausch lebendig werden. Ich denke es ist sehr wichtig, dieses Angebot der Gemeinschaft auch auf den digitalen Bereich auszubreiten, der in unser aller Leben immer größere Bedeutung annimmt.

Bild: Nina Kuntz; Charlotte Schüling

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"5 Fragen an ..." Antoniya Stankova

Antoniya Stankova ist seit 2013 Social Media & Network Manager bei RaboDirect. Sie ist zuständig für die konzeptionelle Entwicklung und die übergreifende Steuerung der Kommunikation in den sozialen Netzwerken sowie für den Aufbau einer Kunden-Community.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Privat nutze ich vor allem Facebook (seit 2008) und Pinterest (seit 2012). Auf Xing pflege ich meine Business-Kontakte (seit 2008). Natürlich bin ich auch bei Twitter, Google+ und Instagram – diese Netzwerke nutze ich aber eher sporadisch oder passiv als Informationsquelle.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Ich sehe meine Aufgabe darin, die Markenbekanntheit von RaboDirect, die Aufmerksamkeit für unsere Produkte und deren Sichtbarkeit im Web zu steigern. Ebenso wichtig ist es für uns, den direkten Austausch mit Interessenten und Kunden zu fördern und auf diese Weise zu einer dauerhaften Kundenbindung beizutragen. Wir wollen eine aktive RaboDirect-Community, die mit uns und unseren Inhalten interagiert und Spaß daran hat.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social-Media-Aktivitäten – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen?
Wir sind im April 2013 mit unserer Präsenz in Social Media gestartet und haben seitdem zahlreiche Erfahrungen gesammelt. Die größte Herausforderung war, die Inhalte so auszuwählen, dass sie für die Community von Interesse sind und zugleich unserer Marke und unseren Produkten gerecht werden. Schließlich haben wir einen Content-Mix gefunden, der sowohl bei unseren Fans, als auch bei Kollegen und beim Management positiv ankommt.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Die sozialen Netzwerke sind für uns wichtig, da wir dort die offene Meinung unserer Kunden und Interessenten sowie deren Wünsche und Bedürfnisse direkt mitbekommen. Die Verbreitung der Beiträge trägt außerdem dazu bei, die Wahrnehmung unserer Marke zu stärken.

5. Für Sie als Branchenfremde: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Ich kenne mich mit dem kirchlichen Bereich viel zu wenig aus, um die Chancen im Speziellen einschätzen zu können. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es sich um ähnliche Möglichkeiten wie für Unternehmen handelt – lediglich in einem anderen Kontext.
Meine Empfehlung: Die Kommunikation in Social Media ist Bestandteil und Ergänzung der Gesamtkommunikation. Bevor man also damit loslegt, sollte man sich ausführlich über eine passende Strategie Gedanken machen. Besonders wichtig ist es, dabei flexibel zu bleiben und die Bedürfnisse der Community zu berücksichtigen: Seien Sie offen, authentisch und glaubwürdig!


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"5 Fragen an ..." Annika von Taube

Annika von Taube ist seit Juni 2013 leitende Community-Redakteurin bei ZEIT ONLINE. Zuvor hat sie für diverse Kunden Medienformate (Print und Online) konzeptioniert, war in der Chefredaktion von sleek magazine Print/Online tätig und war Beraterin für die Entwicklung von Onlineportalen bei der Axel Springer AG.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Ich nutze Social Media seit etwa zehn Jahren. Auf Facebook bin ich seit 2007. Das ist auch das einzige soziale Netzwerk, das ich durchgehend genutzt habe. Sonst bin ich noch regelmäßig bei Xing und seit 5 oder 6 Jahren bei LinkedIn. Hinzu kommen noch Pinterest und Instagram, außerdem blogge ich. Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit nutze ich Facebook sehr intensiv, Twitter immer intensiver. Da zeichnet sich ein Trend ab.
Grundsätzlich schaue ich mir jede neue Social-Media-Plattform an, die gelauncht wird. Ich habe großes Interesse daran, die jeweiligen Plattformen zu verstehen. Dabei muss ich sie dann nicht unbedingt nutzen, sondern es ist mir einfach wichtig, sie im Hinterkopf zu haben – auch privat.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit sozialen Netzwerken?
Das Medium ZEIT ONLINE ist ja nicht isoliert und besteht nicht nur aus einer Website, sondern letztlich geht es darum, dass die Inhalte, die wir erstellen, unsere Leser auch erreichen. Um die Inhalte in die unterschiedlichen Kanäle, Umfelder oder Zielgruppen zu transportieren und umgekehrt aus diesen Kanälen auch Inhalte zu generieren, dienen uns Social Media als Vehikel. Das Ideal ist ein Kreislauf aus Inhalten, die über verschiedene Kanäle zusammenkommen, sich verdichten und so zu Themen werden. Durch Beobachtung dieser Kanäle dringen diese zu uns durch, werden (weiter-)verarbeitet und über die sozialen Netzwerke wieder ausgesandt. So entsteht quasi ein Inhalts- und Interaktionskreislauf.
Facebook und Twitter sind für uns wichtige Werkzeuge zur Kommunikation mit unserer Leserschaft. Wir gehen sehr proaktiv mit diesen Medien um und sprechen unsere Leser ganz konkret an. Immer häufiger koppeln wir die Social-Media-Kommunikation auch von dem ab, was wir auf unserer Website machen – wir erstellen also explizit Aktionen, die nur in dem jeweiligen sozialen Netzwerk stattfinden und speziell dafür generiert werden. Wir bitten unsere Leser über die sozialen Netzwerke beispielsweise um die Bewertung bestimmter Themen und holen auch Daten oder Informationen zu Themenkomplexen ein. In sogenannten Facebook-only-Formaten gehen wir mit den Lesern auf Facebook oder mit unseren Facebook-Fans in den Dialog, um zu bestimmten Ergebnissen zu gelangen. Ebenso auf Twitter: Wir überlegen uns Hashtags, zu denen sich die Twitterer etwas ausdenken. Eine recht bekannte Aktion war „#1Buch1Satz“ zur Frankfurter Buchmesse.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social-Media-Aktivitäten – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen?
Hinsichtlich der Nutzer ist diese Frage ganz einfach zu beantworten: völlig unvorhersehbar! Jede Social-Media-Aktion kann ebenso gut ein beachtlicher Erfolg, als auch ein großer Flop werden. Wir haben natürlich Erfahrungswerte und wissen, welche Themen generell funktionieren oder wie ein Thema anmoderiert werden sollte, um Reaktionen hervorzurufen. Aber wie erfolgreich ein Thema wird, welche Kreise es zieht, wie viral es letztlich wird, können wir auch nach Jahren der Arbeit nicht verlässlich voraussagen. Doch das ist auch das Interessante an unserer Tätigkeit: Sie basiert auf einem Trial-and-Error-Prinzip, das man einfach als selbstverständliches Charakteristikum dieser Arbeit annehmen muss.
Ich denke, diese Unvorhersehbarkeit ist auch die Ursache für das ungute Gefühl oder die Distanz, die manche Leute gegenüber Social Media einnehmen. Natürlich ist es toll, wenn es gut läuft, und manchmal ist es auch schlimm, wenn negatives Feedback kommt. Vor Kurzem haben wir beispielsweise in der Aktion „Erdogan erklärt die Welt“ unsere Leser dazu aufgerufen, sich Weisheiten auszudenken, die von Erdogan stammen könnten. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Post bis zu tausendmal kommentiert und vierhundertmal geteilt. Da war sehr viel tolles, aber zum Teil eben auch negatives Feedback von Lesern dabei, die meinten, man solle sich nicht in so einer Form über Politiker lustig machen. Aber das gehört nun einmal dazu; das Feedback über Social Media erreicht uns völlig ungefiltert und wir nehmen das einfach als selbstverständlichen Bestandteil unserer Arbeit an.
Internes Feedback von Kollegen gibt es eher weniger, da die Social-Media-Arbeit in einer speziell dafür zuständigen Abteilung erfolgt und einige Kollegen die Aktionen gar nicht mitbekom-men. Da das Leserfeedback von außen ohnehin viel wichtiger ist, macht das nichts. Zudem haben mittlerweile auch schon mehr und mehr Kollegen ein Bewusstsein für die Funktionsweise und den Nutzen dieser Arbeit. In seltenen Fällen werden Erfolge kollektiv gefeiert. Grundsätzlich leben wir in Deutschland jedoch nicht in einer Lobkultur, sodass Lob eher weniger stattfindet.
Mit der verantwortlichen Chefredaktion sprechen wir Aktionen nur in wenigen Fällen ab. Jeder Social-Media- oder Community-Redakteur ist selbst für seine Aktionen verantwortlich. Da es grundsätzlich sehr geschätzt wird, dass die Social-Media- oder Community-Redakteure in diesem Bereich so viel möglich machen, ist das Thema eigentlich sehr konfliktfrei, und fast alle Social-Media-Aktionen finden die Zustimmung der Chefredaktion.

4. Welche Chancen sehen Sie durch soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Man kann das Thema Leserdialog gar nicht hoch genug hängen. Bei ZEIT ONLINE ist das Thema sehr präsent und genießt einen hohen Stellenwert. Wir beziehen sehr viele Impulse aus dem Umgang mit den Lesern: Einerseits generieren sie Inhalte – das geht sogar so weit, dass Leser ganze Artikel verfassen. Andererseits reagieren sie auf Themen und ermöglichen uns die Ermittlung eines Stimmungs- oder Meinungsbildes. So können wir anhand des Social-Media-Feedbacks ablesen, welche Themen funktionieren und was die Leute interessiert. Auf diese Weise lenkt uns das Leser-Feedback auch ein Stück weit.
Alles in allem birgt der Social-Media-Umgang mit Lesern unglaublich viel Potenzial. Wir sind erst am Anfang, herauszufinden, wie viel eigentlich. Auf der internationalen Ebene gibt es Vorreiter wie die New York Times oder The Guardian, die zeigen, was in diesem Bereich möglich ist. Und auch in Deutschland gibt es schöne Beispiele für einen flexiblen und progressiven Umgang mit den Lesern, wie etwa die Community-Arbeit bei BILD.de. Generell finde ich es aber gar nicht so wichtig, genau zu evaluieren, was die anderen machen. Viel bedeutsamer ist es, seine eigene Stimme zu finden und dass man mit seiner Zielgruppe interagiert und herausfindet, was diese eigentlich will. Von außen mag das alles gleich aussehen, aber letztlich kann ein einziger Satz, ein klein wenig umformuliert, eine ganz andere Wirkung erzielen. Und deshalb muss man herausfinden, wie man mit seinen eigenen Lesern am besten umgeht.

5. Für Sie als Branchenfremde: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Da sehe ich unglaublich große Chancen. Bei uns läuft zurzeit die Serie „Wer’s glaubt“, bei der wir Leser gebeten haben, uns von ihrem ganz individuellen Umgang mit ihrem Glauben zu erzählen. Bei der Recherche zum Thema Religion und Social Media sind wir auf unglaublich interessante Parallelen zwischen der Kommunikation von Glauben und Social-Media-Aktivitäten gestoßen. Man spricht beispielsweise von der Netzgemeinde und es geht darum, eine Nachricht zu verkünden. Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Parallelen findet man.
Um sein Wort in Social Media zu verkünden, braucht man nicht unbedingt Leute, die eine besonders gute Ausbildung haben, sondern am besten solche, die die entsprechenden Fähigkeiten natürlicherweise mitbringen, das heißt Personen, die kommunikativ sind und die sich gerne zeigen. Und dann muss man Vertrauen haben. Aber das muss man bei der Kommunikation über „konventionelle Kanäle“ auch haben: Wenn ein Pastor auf die Kanzel steigt, wenn ein Kirchenblatt herausgegeben wird, müssen Verantwortliche ihren Mitarbeitern vertrauen können. Das kann man nicht kontrollieren. Dazu gibt es viel zu viele mögliche Störfaktoren; vielleicht sogar mehr als im Social-Media-Bereich. Zu guter Letzt muss man sich fragen, was im Umgang mit dem Glauben zählt. Und das ist doch: „Sprich mit den Leuten.“ Für Vertreter eines Kirchenorgans sollte Social-Media-Arbeit selbstverständlich sein – denn dies ist die zeitgemäße Form, sich seinen Mitgliedern mitzuteilen.
Ich finde es großartig, wie einige kirchliche Organe schon mit Social Media umgehen. Die katholische Kirche beispielsweise beweist ein unglaublich gutes Gespür für Social Media – in Deutschland und international. Die Papst-Twitter-Accounts gehören ja nicht umsonst zu den größten weltweit. Zu sehen, wie eine Kirche über Social Media ihre Mitglieder erreichen kann und wie sehr diese darauf reagieren, finde ich sensationell.

Das Interview wurde telefonisch geführt.
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Bild: Annika von Taube

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Neue Interviewreihe "5 Fragen an ..."

Wie verstehen Social Media Verantwortliche in Wirtschaft, Kultur und Medien ihre Arbeit in den Sozialen Medien? Welche Chancen bietet Social Media für die Kommunikation ihrer Organisation? Und welche Chancen sehen sie als Außenstehende für die Nutzung von Social Media im kirchlichen Bereich?

Nachdem uns im vergangenen Jahr Ehren- oder Hauptamtliche, die sich mit kirchlicher oder diakonischer Social Media-Arbeit beschäftigen, fünf Fragen zum Thema Kirche und Social Media beantwortet haben, werfen wir ab nächster Woche den Blick auf Verantwortliche in anderen Branchen. Wir lassen Social Media-Manager in unserer Reihe „Fünf Fragen an …" zu Wort kommen, die für ihr Unternehmen, ihre Organisation oder als Agentur tätig sind. Sie plaudern ein wenig aus dem Nähkästchen und haben bestimmt auch für Sie den einen oder anderen Impuls für Ihre Arbeit!

Die Reihe startet hier am 19. Januar.
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Bild: aserto

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Handlungsanweisung für Internet-Nutzer

In seiner wöchentlichen Kolumne für das ZEIT Magazin schreibt Harald Martenstein erfrischend und politisch unkorrekt über so manches zeitgeistiges Phänomen. Ausgehend von einem Einbruch in einen Bremerhavener Kindergarten hat er nun eine Neufassung der Zehn Gebote für alle Internet-User verfasst. Diese lautet:

  1. Du sollst dich nicht immer gleich aufregen.
  2. Du sollst berücksichtigen, dass kein Mensch perfekt ist, auch du nicht.
  3. Du sollst anderen die Möglichkeit geben, Fehler zu machen und daraus zu lernen.
  4. Immer gleich die Moralkeule zu schwingen ist auch wieder unmoralisch.
  5. Du sollst keine schnellen Urteile fällen.
  6. Du sollst deine Mitmenschen nicht überwachen.
  7. Du sollst deine Mitmenschen nicht ohne Not erziehen.
  8. Du sollst dich nicht für jeden Pippikram zuständig fühlen.
  9. Du sollst Ausrufezeichen immer nur ganz vorsichtig verwenden.
  10. Du sollst, wenn du unbedingt klauen willst, nicht bei mir klauen.
Danke dafür!
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Bild: zeit.de

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Das neue Medium BTX

Ein schönes Fundstück von Ralf-Peter Reimann ist der Zeitungsartikel zur Verwendung des 1982 noch relativ neuen Mediums BTX in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Immerhin 1.400 kirchliche Seiten standen im Bildschirmtext zur Verfügung. Die formulierten Bedenken ähneln tatsächlich den aktuell formulierten Vorbehalten gegenüber Social Media. Wie sich manche Dinge ähneln.

Der Zeitungsartikel ist hier in hochauflösender Form abrufbar: https://theonetde.files.wordpress.com/2014/12/zeitung.jpg
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Bild: TheoNet.de

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