Kirche und Social Media

Interviewreihe "5 Fragen an …" - Social-Media-Manager in Wirtschaft, Kultur und Medien


Eine Reihe von Social-Media-Managern, die in Wirtschaft, Kultur und Medien tätig sind, haben uns einen Blick in ihre Arbeit in den Sozialen Medien gewährt. Dabei standen nicht nur ihre Erfahrungen mit Social Media im Fokus, sondern auch ihre Einschätzung der Chancen für die kirchliche Nutzung von Social Media.

Unsere Interviewpartner:



5 Fragen an Annika von Taube

Annika von Taube ist seit Juni 2013 leitende Community-Redakteurin bei ZEIT ONLINE. Zuvor hat sie für diverse Kunden Medienformate (Print und Online) konzeptioniert, war in der Chefredaktion von sleek magazine Print/Online tätig und war Beraterin für die Entwicklung von Onlineportalen bei der Axel Springer AG.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Ich nutze Social Media seit etwa zehn Jahren. Auf Facebook bin ich seit 2007. Das ist auch das einzige soziale Netzwerk, das ich durchgehend genutzt habe. Sonst bin ich noch regelmäßig bei Xing und seit 5 oder 6 Jahren bei LinkedIn. Hinzu kommen noch Pinterest und Instagram, außerdem blogge ich. Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit nutze ich Facebook sehr intensiv, Twitter immer intensiver. Da zeichnet sich ein Trend ab.
Grundsätzlich schaue ich mir jede neue Social-Media-Plattform an, die gelauncht wird. Ich habe großes Interesse daran, die jeweiligen Plattformen zu verstehen. Dabei muss ich sie dann nicht unbedingt nutzen, sondern es ist mir einfach wichtig, sie im Hinterkopf zu haben – auch privat.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit sozialen Netzwerken?
Das Medium ZEIT ONLINE ist ja nicht isoliert und besteht nicht nur aus einer Website, sondern letztlich geht es darum, dass die Inhalte, die wir erstellen, unsere Leser auch erreichen. Um die Inhalte in die unterschiedlichen Kanäle, Umfelder oder Zielgruppen zu transportieren und umgekehrt aus diesen Kanälen auch Inhalte zu generieren, dienen uns Social Media als Vehikel. Das Ideal ist ein Kreislauf aus Inhalten, die über verschiedene Kanäle zusammenkommen, sich verdichten und so zu Themen werden. Durch Beobachtung dieser Kanäle dringen diese zu uns durch, werden (weiter-)verarbeitet und über die sozialen Netzwerke wieder ausgesandt. So entsteht quasi ein Inhalts- und Interaktionskreislauf.
Facebook und Twitter sind für uns wichtige Werkzeuge zur Kommunikation mit unserer Leserschaft. Wir gehen sehr proaktiv mit diesen Medien um und sprechen unsere Leser ganz konkret an. Immer häufiger koppeln wir die Social-Media-Kommunikation auch von dem ab, was wir auf unserer Website machen – wir erstellen also explizit Aktionen, die nur in dem jeweiligen sozialen Netzwerk stattfinden und speziell dafür generiert werden. Wir bitten unsere Leser über die sozialen Netzwerke beispielsweise um die Bewertung bestimmter Themen und holen auch Daten oder Informationen zu Themenkomplexen ein. In sogenannten Facebook-only-Formaten gehen wir mit den Lesern auf Facebook oder mit unseren Facebook-Fans in den Dialog, um zu bestimmten Ergebnissen zu gelangen. Ebenso auf Twitter: Wir überlegen uns Hashtags, zu denen sich die Twitterer etwas ausdenken. Eine recht bekannte Aktion war „#1Buch1Satz“ zur Frankfurter Buchmesse.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social-Media-Aktivitäten – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen?
Hinsichtlich der Nutzer ist diese Frage ganz einfach zu beantworten: völlig unvorhersehbar! Jede Social-Media-Aktion kann ebenso gut ein beachtlicher Erfolg, als auch ein großer Flop werden. Wir haben natürlich Erfahrungswerte und wissen, welche Themen generell funktionieren oder wie ein Thema anmoderiert werden sollte, um Reaktionen hervorzurufen. Aber wie erfolgreich ein Thema wird, welche Kreise es zieht, wie viral es letztlich wird, können wir auch nach Jahren der Arbeit nicht verlässlich voraussagen. Doch das ist auch das Interessante an unserer Tätigkeit: Sie basiert auf einem Trial-and-Error-Prinzip, das man einfach als selbstverständliches Charakteristikum dieser Arbeit annehmen muss.
Ich denke, diese Unvorhersehbarkeit ist auch die Ursache für das ungute Gefühl oder die Distanz, die manche Leute gegenüber Social Media einnehmen. Natürlich ist es toll, wenn es gut läuft, und manchmal ist es auch schlimm, wenn negatives Feedback kommt. Vor Kurzem haben wir beispielsweise in der Aktion „Erdogan erklärt die Welt“ unsere Leser dazu aufgerufen, sich Weisheiten auszudenken, die von Erdogan stammen könnten. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Post bis zu tausendmal kommentiert und vierhundertmal geteilt. Da war sehr viel tolles, aber zum Teil eben auch negatives Feedback von Lesern dabei, die meinten, man solle sich nicht in so einer Form über Politiker lustig machen. Aber das gehört nun einmal dazu; das Feedback über Social Media erreicht uns völlig ungefiltert und wir nehmen das einfach als selbstverständlichen Bestandteil unserer Arbeit an.
Internes Feedback von Kollegen gibt es eher weniger, da die Social-Media-Arbeit in einer speziell dafür zuständigen Abteilung erfolgt und einige Kollegen die Aktionen gar nicht mitbekom-men. Da das Leserfeedback von außen ohnehin viel wichtiger ist, macht das nichts. Zudem haben mittlerweile auch schon mehr und mehr Kollegen ein Bewusstsein für die Funktionsweise und den Nutzen dieser Arbeit. In seltenen Fällen werden Erfolge kollektiv gefeiert. Grundsätzlich leben wir in Deutschland jedoch nicht in einer Lobkultur, sodass Lob eher weniger stattfindet.
Mit der verantwortlichen Chefredaktion sprechen wir Aktionen nur in wenigen Fällen ab. Jeder Social-Media- oder Community-Redakteur ist selbst für seine Aktionen verantwortlich. Da es grundsätzlich sehr geschätzt wird, dass die Social-Media- oder Community-Redakteure in diesem Bereich so viel möglich machen, ist das Thema eigentlich sehr konfliktfrei, und fast alle Social-Media-Aktionen finden die Zustimmung der Chefredaktion.

4. Welche Chancen sehen Sie durch soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Man kann das Thema Leserdialog gar nicht hoch genug hängen. Bei ZEIT ONLINE ist das Thema sehr präsent und genießt einen hohen Stellenwert. Wir beziehen sehr viele Impulse aus dem Umgang mit den Lesern: Einerseits generieren sie Inhalte – das geht sogar so weit, dass Leser ganze Artikel verfassen. Andererseits reagieren sie auf Themen und ermöglichen uns die Ermittlung eines Stimmungs- oder Meinungsbildes. So können wir anhand des Social-Media-Feedbacks ablesen, welche Themen funktionieren und was die Leute interessiert. Auf diese Weise lenkt uns das Leser-Feedback auch ein Stück weit.
Alles in allem birgt der Social-Media-Umgang mit Lesern unglaublich viel Potenzial. Wir sind erst am Anfang, herauszufinden, wie viel eigentlich. Auf der internationalen Ebene gibt es Vorreiter wie die New York Times oder The Guardian, die zeigen, was in diesem Bereich möglich ist. Und auch in Deutschland gibt es schöne Beispiele für einen flexiblen und progressiven Umgang mit den Lesern, wie etwa die Community-Arbeit bei BILD.de. Generell finde ich es aber gar nicht so wichtig, genau zu evaluieren, was die anderen machen. Viel bedeutsamer ist es, seine eigene Stimme zu finden und dass man mit seiner Zielgruppe interagiert und herausfindet, was diese eigentlich will. Von außen mag das alles gleich aussehen, aber letztlich kann ein einziger Satz, ein klein wenig umformuliert, eine ganz andere Wirkung erzielen. Und deshalb muss man herausfinden, wie man mit seinen eigenen Lesern am besten umgeht.

5. Für Sie als Branchenfremde: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Da sehe ich unglaublich große Chancen. Bei uns läuft zurzeit die Serie „Wer’s glaubt“, bei der wir Leser gebeten haben, uns von ihrem ganz individuellen Umgang mit ihrem Glauben zu erzählen. Bei der Recherche zum Thema Religion und Social Media sind wir auf unglaublich interessante Parallelen zwischen der Kommunikation von Glauben und Social-Media-Aktivitäten gestoßen. Man spricht beispielsweise von der Netzgemeinde und es geht darum, eine Nachricht zu verkünden. Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Parallelen findet man.
Um sein Wort in Social Media zu verkünden, braucht man nicht unbedingt Leute, die eine besonders gute Ausbildung haben, sondern am besten solche, die die entsprechenden Fähigkeiten natürlicherweise mitbringen, das heißt Personen, die kommunikativ sind und die sich gerne zeigen. Und dann muss man Vertrauen haben. Aber das muss man bei der Kommunikation über „konventionelle Kanäle“ auch haben: Wenn ein Pastor auf die Kanzel steigt, wenn ein Kirchenblatt herausgegeben wird, müssen Verantwortliche ihren Mitarbeitern vertrauen können. Das kann man nicht kontrollieren. Dazu gibt es viel zu viele mögliche Störfaktoren; vielleicht sogar mehr als im Social-Media-Bereich. Zu guter Letzt muss man sich fragen, was im Umgang mit dem Glauben zählt. Und das ist doch: „Sprich mit den Leuten.“ Für Vertreter eines Kirchenorgans sollte Social-Media-Arbeit selbstverständlich sein – denn dies ist die zeitgemäße Form, sich seinen Mitgliedern mitzuteilen.
Ich finde es großartig, wie einige kirchliche Organe schon mit Social Media umgehen. Die katholische Kirche beispielsweise beweist ein unglaublich gutes Gespür für Social Media – in Deutschland und international. Die Papst-Twitter-Accounts gehören ja nicht umsonst zu den größten weltweit. Zu sehen, wie eine Kirche über Social Media ihre Mitglieder erreichen kann und wie sehr diese darauf reagieren, finde ich sensationell.

Das Interview wurde telefonisch geführt.


5 Fragen an Antoniya Stankova

Antoniya Stankova ist seit 2013 Social Media & Network Manager bei RaboDirect. Sie ist zuständig für die konzeptionelle Entwicklung und die übergreifende Steuerung der Kommunikation in den sozialen Netzwerken sowie für den Aufbau einer Kunden-Community.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Privat nutze ich vor allem Facebook (seit 2008) und Pinterest (seit 2012). Auf Xing pflege ich meine Business-Kontakte (seit 2008). Natürlich bin ich auch bei Twitter, Google+ und Instagram – diese Netzwerke nutze ich aber eher sporadisch oder passiv als Informationsquelle.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Ich sehe meine Aufgabe darin, die Markenbekanntheit von RaboDirect, die Aufmerksamkeit für unsere Produkte und deren Sichtbarkeit im Web zu steigern. Ebenso wichtig ist es für uns, den direkten Austausch mit Interessenten und Kunden zu fördern und auf diese Weise zu einer dauerhaften Kundenbindung beizutragen. Wir wollen eine aktive RaboDirect-Community, die mit uns und unseren Inhalten interagiert und Spaß daran hat.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social-Media-Aktivitäten – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen?
Wir sind im April 2013 mit unserer Präsenz in Social Media gestartet und haben seitdem zahlreiche Erfahrungen gesammelt. Die größte Herausforderung war, die Inhalte so auszuwählen, dass sie für die Community von Interesse sind und zugleich unserer Marke und unseren Produkten gerecht werden. Schließlich haben wir einen Content-Mix gefunden, der sowohl bei unseren Fans, als auch bei Kollegen und beim Management positiv ankommt.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Die sozialen Netzwerke sind für uns wichtig, da wir dort die offene Meinung unserer Kunden und Interessenten sowie deren Wünsche und Bedürfnisse direkt mitbekommen. Die Verbreitung der Beiträge trägt außerdem dazu bei, die Wahrnehmung unserer Marke zu stärken.

5. Für Sie als Branchenfremde: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Ich kenne mich mit dem kirchlichen Bereich viel zu wenig aus, um die Chancen im Speziellen einschätzen zu können. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es sich um ähnliche Möglichkeiten wie für Unternehmen handelt – lediglich in einem anderen Kontext.
Meine Empfehlung: Die Kommunikation in Social Media ist Bestandteil und Ergänzung der Gesamtkommunikation. Bevor man also damit loslegt, sollte man sich ausführlich über eine passende Strategie Gedanken machen. Besonders wichtig ist es, dabei flexibel zu bleiben und die Bedürfnisse der Community zu berücksichtigen: Seien Sie offen, authentisch und glaubwürdig!


5 Fragen an Die kestnergesellschaft

Zu den Personen: Nina Kuntz (Leitung Marketing) und Charlotte Schüling (Pressesprecherin) verantworten gemeinsam die Social-Media-Aktivitäten der kestnergesellschaft. Die kestnergesellschaft ist ein seit 1916 bestehender Kunstverein in Hannover, der Ausstellungen zeitgenössischer und internationaler Kunst zeigt.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Ich nutze vor allem Facebook, aber auch Xing und LinkedIn als berufliche Netzwerke. Auch wenn ich mich nicht bei jedem neuen Netzwerk anmelde – wie zum Beispiel zuletzt „Ello“ – verfolge ich die Entwicklungen und Trends sowie die neuen Funktionen.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Wir wollen informieren, auf dem Laufenden halten, nahbar, persönlich und ansprechbar sein, aber auch spannende kunstwissenschaftliche Inhalte vermitteln. Wir wollen neugierig machen und natürlich nicht zuletzt Besucher dazu anregen, sich die Ausstellungen anzusehen und sich mit Kunst auseinander zu setzen.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social-Media-Aktivitäten – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen?
Die Reaktionen sind nicht immer vorurteilsfrei. Das liegt oftmals daran, dass die Skeptiker sich nicht selbst mit den Kommunikationsmöglichkeiten auseinandersetzen.
Einige Mitarbeiter verfolgen die Aktivitäten, andere weniger. Das ist schade, da ich in den sozialen Netzwerken auch ein starkes Tool für die interne Kommunikation und vor allem die Stiftung von Identität sehe.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Die Sozialnetzwerke sind sehr schnell und agil. Inhalte und Termine können kurzfristig und unmittelbar verbreitet werden. Das erzeugt bei den Adressaten und Usern ein Gefühl live dabei zu sein, z. B. beim Ausstellungsaufbau oder beim Blick hinter die Kulissen. Das emotionalisiert und ist relevant für die Bindung unserer Mitglieder, Besucher und Freunde. Eine Herausforderung, aber auch eine große Chance ist es, wirkliche Teilhabe zu erzeugen, aber dann erfährt man am besten, was funktioniert und was nicht.

5. Für Sie als Branchenfremde: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Wie im Kunstbereich sind Gläubige grundsätzlich sehr offen, interessiert und loyal. Kultur, wie auch Glaube sind wichtige Werte, die erst durch die Partizipation und den Austausch lebendig werden. Ich denke es ist sehr wichtig, dieses Angebot der Gemeinschaft auch auf den digitalen Bereich auszubreiten, der in unser aller Leben immer größere Bedeutung annimmt.


5 Fragen an Nils Andresen

Nils Andresen (38, verh., drei Kinder) ist Fachleiter Presse und Social Media bei der Sparkasse Bremen AG. Er hat Kommunikationswissenschaft in Dresden studiert und bei Sparkassen in Hamburg und Bayern gearbeitet. Seit 2012 verantwortet er den Social Media-Auftritt der Sparkasse Bremen.

1.Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Ich nutze Facebook, Google und Xing seit 2012.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit sozialen Netzwerken?
Wir repräsentieren die Sparkasse Bremen in den sozialen Netzwerken, durch die wir unserer Meinung nach einen Nutzen für unsere Kunden und die interessierte Öffentlichkeit bieten können. Mein Anliegen ist es, hier einen Dialog zu ermöglichen. Daneben möchte ich die Sparkasse Bremen analog unseres Claims vorstellen: Stark. Fair. Hanseatisch. Als freie Sparkasse sind wir ein innovativer Marktführer und für unsere Kunden ein verlässlicher Partner auf Augenhöhe. Vor bald 190 Jahren sind wir aus einer Bürgerinitiative heraus entstanden und waren von Geburt an gemeinwohlorientiert. Letztlich sind es unsere Kunden, die dafür sorgen, dass wir die Bremerinnen und Bremern mit jährlich rund vier Millionen Euro aus unseren Erträgen unterstützen können.

3.Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social-Media-Aktivitäten – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von Verantwortlichen in Ihrem Unternehmen?
Sowohl unser Vorstand als auch unsere Mitarbeiter haben das Projekt von Beginn an unterstützt. Auch nach zwei Jahren, die wir jetzt in den sozialen Netzwerken aktiv sind, beteiligen sich unsere Mitarbeiter intensiv und sind für uns als Markenbotschafter unverzichtbar.
Unsere Nutzer aus dem Kreis unserer Kunden und der Bremer Öffentlichkeit interagieren ebenfalls sehr gut mit uns. Zu Beginn haben wir mit mehr Serviceanfragen gerechnet. Hier zeigt sich aber, dass unsere große Filialdichte sowie die Möglichkeiten, uns auf anderen Wegen zu erreichen, unseren Kunden gute Alternativen bieten.

4. Welche Chancen sehen Sie durch soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Wir haben die Möglichkeit, unseren Nutzern einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen oder interessante Geschichten zu erzählen. Wir möchten interessieren, unsere Kompetenz in Finanzdienstleistungen und natürlich unsere Verbundenheit mit unserem Geschäftsgebiet zeigen, die so vielfältig ist, dass sie von Rezipienten klassischer Medien nicht als Ganzes erfasst werden kann.

5. Für Sie als Branchenfremde: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Für mich ist es wichtig, authentisch zu sein und zu überlegen, wo gemeinsame Schnittmengen liegen. Dazu sollte ich mir im Vorfeld über die eigenen Ressourcen im Klaren sein und genau überlegen, wen ich ansprechen will. Es wird ohnehin kaum möglich sein, das gesamte gesellschaftliche Spektrum der Kirche in den sozialen Netzwerken zu bedienen. Das alles hat unmittelbare Auswirkungen auf die Auswahl der Kanäle und erleichtert es, realistische Ziele aufzustellen.


5 Fragen an Martin Ivanovs

Martin Ivanovs, 31, arbeitet als Social Media Manager bei der Wiesbadener Kreativagentur Scholz & Volkmer, einer der ersten Digitalagenturen in Deutschland. Dort berät er Unternehmen wie die Lufthansa, Mercedes-Benz oder L’Oréal zu strategischen und konzeptionellen Fragen rund um Social Media und entwickelt mit seinem Team Inhalte für unterschiedliche Plattformen. Zuvor arbeitete er unter anderem für IKEA Deutschland und absolvierte den Master-Studiengang Medienmanagement am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen nutzen Sie Social Media privat?
Als ich 2007 ein halbes Jahr in Schweden studierte, kam ich zum ersten Mal mit Facebook in Kontakt. In dieser Zeit durfte ich viele internationale Bekanntschaften schließen, deshalb war/ist Facebook für mich privat auch heute noch das wichtigste Social-Media-Tool. Durch mein berufliches Interesse versuche ich, jedes neue Social-Media-Tool auszuprobieren – was mittlerweile völlig utopisch geworden ist. Heute nutze ich privat vor allem noch Twitter, Tumblr, Instagram und Pinterest.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit sozialen Netzwerken?
Ich versuche den Kunden durch fundierte Beratung Orientierung in der heute sehr unübersichtlichen, digitalen Landschaft zu geben. Welche Plattformen oder Tools könnten für sie interessant sein? Wie sieht die Community dort aus? Welche Themen interessieren die Nutzer und wie könnte eine Marke diese Themen relevant spielen?
Wichtig ist mir immer, den Kunden klar zu machen, dass Social Media weder ein Selbstzweck, noch kostenlose Werbung, noch ein vorübergehender Trend oder eine einzelne Plattform wie Facebook ist. Social Media ist aus meiner Sicht eine soziale Bewegung, die schon heute die Form, wie Unternehmen und Nutzer miteinander sprechen, extrem verändert hat. Und dies auf Jahrzehnte weiter tun wird. Ob Facebook als Angebot dann noch existiert, ist für mich nicht die relevante Frage.

3. Wie sind die Reaktionen auf die Social-Media-Aktivitäten Ihrer Kunden – sowohl von den Nutzern der Kanäle als auch von Verantwortlichen in den Unternehmen?
Als Social-Media-Manager in einer Kreativagentur für digitale Markenführung ist mein Ziel vor allem, Nutzer im Auftrag von Unternehmen mit relevanten Inhalten zu erreichen. Von den Nutzern wünschen wir uns Begeisterung, aber vor allem Beteiligung. Diese ist mal stärker und mal schwächer, wie Menschen eben so sind.
Bei den Unternehmensverantwortlichen, mit denen wir zusammenarbeiten, spüre ich eine über die Jahre gewachsene Kompetenz in der Erwartungshaltung und Evaluation von Social Media. Beide Reaktionen befruchten sich im besten Falle gegenseitig: Nutzer sagen, was sie brauchen und Unternehmen überprüfen dadurch immer wieder ihr Angebot.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Unternehmen, Verbände, Organisationen und Einzelpersonen haben durch Social Media erkannt, dass – nicht ganz überraschend – Menschen immer und überall über sie reden, und müssen nun überprüfen, welche Haltung sie dazu entwickeln wollen.
Für diese Herausforderung halte ich Begriffe für (sozial vage definierte) Phänomene wie „Shitstorms“ für sehr kontraproduktiv. Sie rufen eine reflexhafte Angst vor der Auseinandersetzung mit bestimmten Nutzergruppen oder Einzelnutzern hervor, anstatt den Glauben an die Chance zu fördern, dass durch Social-Media-Tools einzigartige Ideen für den Kontakt mit Menschen aus ganz speziellen Communitys entstehen können.

5. Für Sie als Branchenfremden: Welche Chancen sehen Sie für Social Media im kirchlichen Bereich? Haben Sie eine Empfehlung für Verantwortliche?
Dadurch, dass viele Mitglieder meiner Familie in der evangelischen Kirche arbeiten, bin auch ich mit kirchlichen Angeboten aufgewachsen. Was mich an diesen Angeboten immer noch fasziniert, ist, in welcher Vielfalt sie für kleine, große und spezielle Communitys existieren – ob Jugendliche, Behinderte, Senioren, Familien, einsame Menschen, musikverliebte Menschen oder wen auch immer.
Diese „Community-Arbeit“ begreife ich als besonderes Alleinstellungsmerkmal der Kirchen. Und da Social Media und digitale Kommunikation gerade alle Bevölkerungsteile „durchwächst“, ist es für mich logisch, dass Kirchen diese einzigartigen Angebote auch auf diesen Wegen anbieten.


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Interviewreihe "5 Fragen an …" - Ehren- & Hauptamtliche aus der kirchlichen und diakonischen Social-Media-Arbeit 

Eine Reihe von Ehren- oder Hauptamtlichen, die sich mit kirchlicher oder diakonischer Social-Media-Arbeit beschäftigen, haben uns fünf Fragen zum Thema Kirche und Social Media beantwortet. Unser Ziel dabei war es, einen Einblick in deren Arbeit und Erfahrungen zu erhalten und damit anderen neue Impulse zu geben. 

Unsere Interviewpartner:

Hier finden Sie einen Zusammenschnitt aller Interviews im Überblick:


5 Fragen an Christoph Schweizer


Christoph Schweizer (Jahrgang 1968) ist seit 2007 „Medienpfarrer“ und damit Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart.


1. Seit wann und auf welchen Kanälen betreiben Sie Social Media?

Seit Mai 2010, nur auf Facebook

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?

Pflege des Images der Evangelischen Kirche in Stuttgart als lebendigen Organismus, in dem Themen Platz haben, die „uns alle“ (20-50 Jährige, eher gut ausgebildete Stadtmenschen…) angehen. Lebensfragen, Themen des guten Zusammenlebens in unserer Stadt etc.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social Media Aktivitäten im kirchlichen Bereich – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von verantwortlichen Gremien oder Vorgesetzten?
Von Nutzern gibt es das übliche, direkte, niedrigschwellige Feedback über Likes, Anklicken, gelegentlich Kommentare. Ein Posting mit unter 100 „gesehen“ und unter 5 Likes ist ein Misserfolg. Ein Posting mit über 300 Ansichten und über 10 Likes erfreut mein Öffentlichkeitsarbeiterherz. Aus Gremien und von Vorgesetzten wenig Feedback, die sind mehrheitlich nicht Facebook-affin. Allerdings baue ich derzeit ein kleines Beraterteam auf, welches die Arbeit auch in unsere Leitungsgremien einspielt.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Die Chancen sind zwar quantitativ bescheiden, weil wir bislang nur wenige Ressourcen in diesen Bereich geben (im Wesentlichen die Arbeitskraft, die ich durch Umschichten von Arbeitsschwerpunkten selbst leisten kann - als Pfarrer habe ich ja das Glück, meine Arbeit nicht in 38,5 Stunden pro Woche packen zu müssen ;-) Qualitative Chancen: positive Wahrnehmung des Evangelischen Kirchenkreises, sehr direktes Feedback, tägliche Übe- und Lerngelegenheit, welche Themen zu welcher Uhrzeit und in welcher Aufmachung bei wem ankommen – und bei wem nicht…

5. Welche Empfehlungen haben Sie für Social Media Verantwortliche im kirchlichen Bereich, die noch unerfahren sind und gerade am Anfang stehen?
1. Einen Plan, ein Ziel haben.
2.  Ressourcenfrage klären: Kann ich / können wir das, was wir uns vornehmen, wirklich leisten?
3. Kein Einzelkämpfertum – aber auch keine zu komplexen Abstimmungsprozesse – niedrigschwellig und schlicht die Befugnisse der Admins klären. (Ich habe nicht gesagt, dass ich zu jedem Tipp auch selbst ein gutes Beispiel abgebe!)
4. Die Seite im Auge behalten – Vertretung für Abwesenheitszeiten der Admins regeln.
5. Die Social-Media-Aktivität in ein Gesamtkonzept von Öffentlichkeitsarbeit einbinden
6. Klären: wie erfährt meine „Zielgruppe“ von meinem Angebot, wie kann ich sie locken? (Das muss nicht – kann aber – über bezahlte Postings laufen. Ich setze eher darauf, die Postings so zu optimieren – Optik, Text, Thema, auch Uhrzeit der Postings – dass sie ankommen, gesehen, geliked, geteilt, kommentiert und damit wahrgenommen werden.


5 Fragen an Nicola Rössert


Nicola Rössert arbeitet im Projektmanagement für Vernetzte Kirche im Evangelischen Presseverband für Bayern e.V. (EPV).


1. Seit wann und auf welchen Kanälen betreiben Sie Social Media?
Seit 2011 bin ich für Vernetzte Kirche im Evangelischen Presseverband für Bayern e.V. auf Facebook unter https://www.facebook.com/VernetzteKirche sowie Twitter @VernetzteKirche unterwegs. Außerdem schreibe ich für unseren Blog www.netzmarginalien.de, bei dem es regelmäßig Tipps & Tricks für den Internet-Alltag gibt.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Als Internetabteilung in einem evangelischen Medienhaus sind wir zum einen Serviceagentur, die im Bereich Internet/Social Media maßgeschneiderte Lösungen von Kirche für Kirche (Musterwebsite Philippus, www.evangelische-termine.de, Social-Media-Kampagne zur KV-Wahl) anbietet. Zum anderen betreuen wir – auch in Partnerschaft mit der Landeskirche Hannovers - publizistische Projekte wie www.e-wie-evangelisch.de und www.kirche-entdecken.de. Außerdem bieten wir Schulungen zu unseren Musterwebsites und die Nutzung von Social Media in der Gemeinde an. Als kirchlichem Dienstleister bieten uns Social Media viele Vorteile auf ganz verschiedenen Ebenen:
  • Wir können über die Social-Media-Kanäle über unsere Produkte und Aktivitäten informieren. Aber auch Geschichten drum herum erzählen bzw. auf zusätzliche Informationen und Hintergründe verweisen. So können wir uns gleichzeitig dafür einsetzen, dass
  • man uns und unser Know-How wahrnimmt bzw. kennenlernen möchte:
  • In unserem Blog gibt es als „Mehrwert“ außerdem nützliche Tipps rund um unsere Angebote.
  • Wir können via Facebook und Twitter Kontakte zu Kunden, Kollegen, Freunden, Fachleuten pflegen und neue Beziehungen knüpfen. Hier ist es in jedem Fall von Vorteil, ein persönliches Gesicht zu zeigen, – ohne privat zu werden – und sich nicht zu sehr hinter der Fassade einer Institution zu verstecken. Denn auch im kirchlichen Bereich, oder gerade dort gilt: „Märkte sind Gespräche.“
  • Immer wieder gerne holen wir auch Feedback ein, was wir verbessern können.
  • Social Media lassen sich außerdem sehr gut dazu nutzen, zu beobachten, was andere (sowohl im kirchlichen als auch im nichtkirchlichen Bereich) so machen und über den Tellerrand hinauszublicken. Sich Anregungen holen und sich mit anderen auszutauschen.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social Media Aktivitäten im kirchlichen Bereich – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von verantwortlichen Gremien oder Vorgesetzten?
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat einen Landesbischof, der Facebook sehr intensiv und auf eine sehr persönliche Weise nutzt. Das kommt insgesamt sehr gut an. Nicht nur, was die Anzahl seiner „Fans“ betrifft. Auch die vielen Kommentare zeigen, dass sich der Aufwand lohnt. Außerdem gibt es in Bayern seit letztem Jahr mit Christoph Breit einen eigenen Pfarrer für Social Media. Eine solche „Rückendeckung“ von oben motiviert natürlich. Uns. Und unsere Bezugsgruppe. Ich persönlich versuche die Gratwanderung, in jedem Fall professionell aufzutreten, aber trotzdem ein persönliches Profil zu zeigen. Gerade meine persönlichen Ausflugsbilder in die Natur sowie Kunst- und Kulturtipps kommen inzwischen auch bei zahlreichen Kollegen im kirchlichen Bereich besonders gut an und lockern das Verhältnis auf. Und da ich Privates wie Familie & Co. eh‘ privat halten mag, komme ich da auch nicht in die Bredouille.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Was mir persönlich am allerbesten gefällt, ist der Vernetzungsgedanke und die „niederschwellige“ Möglichkeit des Netzwerkens. Das ist sicher aber auch eine Typfrage, ob man das mag. Ich habe in den letzten Jahren via Social Media eine ganze Menge Menschen kennengelernt – und manche auch „im echten Leben“ getroffen, mit denen ich mich sonst niemals hätte austauschen können. Und ich bin fest davon überzeugt, dass mir da eine Menge entgangen wäre. Wenn man gerne über den Tellerrand schaut, haben Social Media also auch das Potential weiterzubilden. Besonders gut gefallen hat mir deshalb beispielsweise so eine kleine Facebook-Aktion wie #WichtelnmitVernetzteKirche, die wir letztes Jahr in der Vorweihnachtszeit gestartet hatten und bei der die Teilnehmenden sich auf Facebook mit kleinen Nettigkeiten überraschen konnten. Darüber sind allerlei Leute miteinander in Kontakt gekommen und neue „Freundschaften“ entstanden.

5. Welche Empfehlungen haben Sie für Social Media Verantwortliche im kirchlichen Bereich, die noch unerfahren sind und gerade am Anfang stehen?
Sich unbedingt vorab über die wichtigsten Hürden und z.B. rechtliche Stolpersteine informieren. (Schulungen, Lektüre.) Überlegen, „was man zu erzählen hat“? Wen man mit seinen Inhalten erreichen möchte? Gucken, was die andern so machen. Impulse und Anregungen nutzen. Verbindliche Mandate vergeben. Selbst ausprobieren. Sich mit anderen austauschen. Zusammentun. Und wie heißt es so schön: Stolpern. Krönchen zurechtrücken. Aufstehen. Weitermachen. Und bedenken, dass man sich viel entgehen lässt, wenn man Social Media nur als Einbahnstraßen-Verlautbarungs-Kanal nutzt. Ruhig auch mal kommentieren. Beiträge anderer liken. Fragen stellen. Wenn man überhaupt keine kommunikative Ader und keinen Spaß am Dialog hat, dann kann man das mit den Social Media allerdings auch einfach sein lassen.


5 Fragen an Hannes Leitlein


Hannes Leitlein ist Theologiestudent in Wuppertal und Autor der ZEIT-Beilage »Christ & Welt«.“ Als Blogger, Fotograf, Gestalter und Journalist ist er darüber hinaus seit 2005 auf den verschiedensten Plattformen sozialmedial aktiv.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen betreiben Sie Social Media?
Laut Archiv bin ich wohl Anfang 2006 dem inzwischen zu Grabe getragenen StudiVZ beigetreten. Ich war 20 Jahre alt und noch lange kein Student. Etwas theatralisch bekundete ich in einem meiner ersten Blogbeiträge dann 2010, dass ich fortan auf Facebook zu finden sein werde. Twitter nutze ich seit September 2008. Wirklich aktiv aber erst, seit mich Facebook aufgrund von Werbung und Inhaltsfiltern zunehmend langweilt. Anfangs dachte ich übrigens noch, Twitter würde irgendwann das werden, was heute What’s App und ähnliche Messanger bieten: Eine günstige Alternative zur SMS. Ich bin heute froh, dass es nicht so gekommen ist.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Ich verfolge kein bestimmtes Ziel und keine Aufgabe mit meiner Aktivität in Sozialen Netzwerken. Ich kommuniziere und teile mich gerne mit. Als Journalist sehe ich es als Teil meiner Aufgabe, meine Beiträge zur Disposition zu stellen und notfalls inhaltlich noch einmal nachzulegen, um meine Gedanken besser zu erklären. Auch werden durch die Diskussion immer wieder neue Fragen aufgeworfen, die wiederum in meine Arbeit einfließen. Die Sozialen Netzwerke sind deshalb eine tolle Ergänzung, um ins Gespräch zu kommen mit Leserinnen und Lesern. 

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social Media Aktivitäten im kirchlichen Bereich – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von verantwortlichen Gremien oder Vorgesetzten?
Die klerikale Skepsis gegenüber Social Media überrascht mich immer wieder. Zurückhaltung und Vorsicht prägen die Handhabung. Nur sehr langsam wagt Kirche sich ans Ausprobieren. Immer wieder muss ich meine Aktivitäten verteidigen. Dabei sollte Kommunikation doch ein entscheidendes Forschungsfeld für kirchliches Handeln sein – egal auf welcher Plattform.    

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Am meisten begeistert mich an Sozialen Medien, dass ich auch über persönliche Treffen hinaus mit Menschen im Austausch bleiben kann. Die meisten Reaktionen auf meine Arbeit bekomme ich online. Leute können unmittelbar reagieren; Themen werden weiter bewegt; Texte, Bilder, Videos werden geteilt; ein Hashtag verbindet Menschen, die ein Thema verbindet; ich werde ständig auf neue Fragestellungen gestoßen. Und auch umgekehrt: Die Unterscheidung zwischen off- und online verschwimmt zunehmend. Themen ploppen online auf und werden offline weiter gedacht. Früher saß ich den ganzen Tag alleine am Computer. Heute sitze ich mit der Unterstützung meiner Online-Gemeinde am Rechner. Manchmal in einem Raum, oft verteilt über den ganzen Globus.

5. Welche Empfehlungen haben Sie für Social Media Verantwortliche im kirchlichen Bereich, die noch unerfahren sind und gerade am Anfang stehen?
Niemand sollte eine Facebook-Seite oder einen Twitter-Account betreiben, weil es heutzutage dazu gehört. Man muss Lust darauf haben, mit Menschen im Gespräch zu sein, auch wenn das Gespräch virtuell stattfindet. Das heißt: Lasst die Finger von Social Media, wenn ihr euch aus Pflichtgefühl damit beschäftigt. Wenn ihr aber Lust habt am Austausch, dann sind die Sozialen Netzwerke eine wunderbare Ergänzung. Sie sind außerdem längst ein Teil der Lebenswirklichkeit von vielen Menschen. Es wäre also langsam an der Zeit, dass Kirche diese Lebenswirklichkeit für sich entdeckt und damit analog Gott auch digital auf der Spur bleibt.


5 Fragen an Friedolf Lappen


Friedolf Lappen ist 44, katholisch, studierter Diplomtheologe und Kirchenrechler, freiberuflich als kirchlicher Anwalt und rechtlicher Betreuer tätig, Vater zweier Töchter und in ehelicher Gemeinschaft mit seiner Frau lebend, die im pastoralen Dienst der katholischen Kirche tätig ist.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen betreiben Sie Social Media?
Wenn ich den Begriff Social Media auf Nutzung des Internets beziehe, dann habe ich hier erste Gehversuche Mitte der 1990er Jahre im Usenet unternommen, allerdings waren dies eher sporadische und wenig nachhaltige Experimente. Regelmäßig aktiv bin ich seid etwa 2000. Dabei nutze ich klassische Mailingglisten ebenso wie Foren und Facebook und Xing. Außerdem schreibe ich an einem Blog und moderiere ein größeres Forum.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Es ist mir nicht möglich, dies in einen Satz zusammenzufassen. Social Media sind für mich ein Kommunikationsweg neben anderen, und insofern ein Werkzeug, dessen ich mich in meiner menschlichen, beruflichen und wissenschaftlichen Existenz bediene, um mein Christ-Sein zu realisieren. Meine Aufgabe sehe ich darin, einen Beitrag zu einem gedeihlichen Zusammenleben zu leisten, indem ich zuhöre bzw. mitlese, indem ich auf offen oder verdeckt gestellte Fragen antworte (sowohl als Mensch wie als Fachmann) und indem ich versuche, Anregungen, die mich inspirieren, weiterzugeben und Gedanken, die mich beschäftigen, mitteile.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social Media Aktivitäten im kirchlichen Bereich – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von verantwortlichen Gremien oder Vorgesetzten?
Diese Frage geht etwas an meiner Situation vorbei. Als freiberuflich tätiger Mensch habe ich es weder mit Vorgesetzten noch mit verantwortlichen Gremien zu tun – lediglich mit Mandanten und Prozessgegnern. Hier kommt es bisweilen zu Gesprächen über meine Aktivitäten, aber diese sind in keiner Weise hierarchisch strukturiert.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Die Kommunikation über Social Media erfüllt für mich vielfältige Aufgaben:
Im fachlichen Bereich vereinfacht bzw. ermöglicht sie die Kommunikation mit Berufskollegen weltweit. Gerade im doch seltenen Beruf des kirchlichen Anwaltes ist eine Vernetzung mit Kolleginnen und Kollegen fast schon überlebenswichtig.
In der wissenschaftlichen Arbeit als Kanonist gilt ähnliches, auch hier erlaubt die Vernetzung untereinander die Entwicklung neuer Ideen ebenso wie die Evaluation bestehender. Viele Augen sehen eben mehr als meine alleine.
In meinem spirituellen Leben bedeutet es mir viel, mit „Gleichgesinnten“ ebenso ins Gespräch zu kommen wie mit Menschen, die die Dinge anders sehen. Insofern sind Social Media für mich ein Ort der Auseinandersetzung ebenso wie der Bestärkung. Gerade die relative Hierarchiearmut des Netzes ist mir hierbei wertvoll geworden: Gute Diskussionen sind geprägt von menschlichen Erfahrungen und Sachkenntnis, und bei denselben Akteuren können diese je nach Thema recht unterschiedlich verteilt sein. Es fasziniert mich, wie ich heute Experte, Lehrer und Begleiter sein kann und morgen der bin, der gespannt lauscht, lernt und sich begleiten lässt – und manchmal trifft dies in derselben Diskussion, in demselben Gespräch zu.

5. Welche Empfehlungen haben Sie für Social Media Verantwortliche im kirchlichen Bereich, die noch unerfahren sind und gerade am Anfang stehen?
Hier rate ich natürlich aus der Rolle des Außenstehenden, der nicht beweisen muss, ob er das auch tut und kann, was er rät. Zunächst gilt für Kommunikation via Social Media dasselbe wie für alle anderen Kommunikationen auch:
  1. Nimm den anderen Ernst! Im Zweifel füttere lieber einen Troll als dass du einen ernsthaft (und ungeschickt) Fragenden verprellst.
  2. Versuche den anderen mit den Augen Gottes zu sehen. Dann ist es leichter, ihn zu lieben. Gelingt nicht immer!
  3. Sei ehrlich! Täusche keine Sicherheit vor, wenn du etwas nicht weißt. Im Netz gilt noch mehr als im Real life: Der andere kann jederzeit googeln und Wikipedia lesen.
  4. Nutze die Chancen, die Social Media bieten: Man muss nicht immer sofort eine Replik schreiben. Wenn man etwas nicht weiß, so kann man nachschlagen. Gerade wenn man als Fach- und Sachkundiger auftritt, sollte man sich die Zeit für eine gute Antwort nehmen. Es geht dabei meist nicht um die neusten Entdeckungen der Fachwissenschaften, aber es schadet sicherlich nie, wenn der Leser mehr zu sehen bekommt als Vermutungen des Autors. Und aus eigener Erfahrung kann ich anfügen: Beim Nachlesen lernt man auch etwas!
  5. Social Media sind keine Einwegkommunikation. Es kommt zu Nachfragen und auch zu Widerspruch, wer das nicht mag, der ist hier falsch! Social Media sind weder eine moderne Form der Pressemitteilung noch eine elektronische Fassung der Predigt. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen, solange man noch bereit ist, sich zu ändern.


5 Fragen an Mechthild Werner


Mechthild Werner, Jahrgang 1962, ist die erste „Social-Media-Pfarrerin“ im Bereich der EKD. 2011 trat sie ihren Dienst an – im Auftrag der Evangelischen Kirche der Pfalz. Zuvor arbeitete die Theologin lange im Bereich Radio und Fernsehen, unter anderem von 1999 bis 2005 im „Wort-zum-Sonntag“-Team.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen betreiben Sie Social Media?
Als Beauftragte für Social Media bin ich seit Ende 2011 für die Ev. Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) bei Twitter, Facebook und Co. unterwegs, sozusagen als Netzpfarrerin. Seit rund 20 Jahren bin ich bereits in Funk und Fernsehen „mit Gott auf Sendung“ – unter anderem im „Wort zum Sonntag“ und zuletzt als Rundfunkbeauftragte der Ev. Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Das Web 2.0 ist für mich – noch immer – ein neues Medium. Anders für Pfarrer Alexander Ebel, Referent des Kirchenpräsidenten. Er ist persönlich ein erfahrener Netzsurfer und hat bereits im Frühjahr 2010 Landeskirchliche Accounts bei Twitter und Facebook eingerichtet. Der Anfang des Engagements.
Passend zum Reformationstag 2011 startete unser Blog „Protestantisch. Pfälzisch. Profiliert.“ Der Titel ist Programm. Unter der Überschrift „mmh..mechthild meint heute“ stelle ich dort jeweils die Freitagsfrage: Ein aktuelles, möglichst provokantes Thema, das auch über die Pfälzer Kirchtürme hinausreichen darf. Auf Facebook und Twitter poste ich zudem (un)regelmäßig Provokantes, Persönliches, Meditatives oder – Kirchlicherseits leider oft vergessen – Unterhaltendes. Zur „Admin-Aufgabe“ gehört zudem, die Gespräche im Netz im Blick zu haben, zu moderieren, auf Beiträge schnell zu reagieren.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Die ersten Christen waren Fischer und wurden von Jesus zu „Menschenfischern“ berufen. Christenmenschen waren immer schon Netzwerker und da unterwegs, wo die Menschen sind. Ich selbst bin ja erst vor zwei Jahren in die sozialen Netzwerke geraten – mit einer gewissen Neugier, aber auch mit vielen Vorurteilen – und habe gemerkt: Für die „Digital Natives“ sind Facebook, Youtube und Co. die Lebenswelt.
Bei Social Media gibt es ja anders als bei der bloßen Pressearbeit immer den Rückkanal. Da muss ich dialogbereit sein und offen, mich zur Diskussion zu stellen mit einem Thema. In dem Moment, wo ich selber dazu lernen will, frage ich: „Was meint ihr, was fehlt euch, was haltet ihr davon?“ Der Reiz der sozialen Netzwerke ist ja der Dialog. Man bekommt sofort Reaktionen. Wenn wir als Christen „Menschenfischer“ sein wollen, dann ist die Zeit vorbei, wo wir das große Schleppnetz auswerfen und Leute fangen. In der vernetzen Welt fischen Menschen einander. Sie fischen sich heraus, wer ihnen gefällt und was sie anspricht.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social Media Aktivitäten im kirchlichen Bereich – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von verantwortlichen Gremien oder Vorgesetzten?
Die Medien ändern sich, der Glaube ist der gleiche, den Menschen in der sogenannten echten Welt auch teilen. Die sozialen Netzwerke sind gut geeignet, wenn man sie richtig nutzt. Doch Facebook und Co. haben mit Vorbehalten zu kämpfen, ähnlich wie schon Radio oder Fernsehen.
Die einen posten, bloggen, twittern von Anfang an, meist Netzaffine Gemeindeglieder wie eine Presbyterin oder der Pfarrer selbst. Die anderen nutzen bis heute weder Mail, Anrufbeantworter und schon gar kein Handy in ihrer Gemeindearbeit. Sprich: Einige nutzen längst das Web 2.0, andere sind noch nicht einmal im Web 1.0 angekommen. Die Haltung ist gespalten. Mancher sieht die Sozialen Medien als Heilsweg – erste Hilfe gegen alle Probleme – viele andere eher als „Highway to hell“. Neben großen Vorbehalten gibt es auch eine gewisse vorbehaltlose Technik-Euphorie.
Doch: Chancen und Risiken nüchtern zu sehen und abzuwägen, das wird die künftige Aufgabe sein. Und gerade auch die Risiken sollten Kirche herausfordern, sich zu engagieren: Schutz der Person und persönlicher Daten, Beratung rund um Suchtverhalten und Cybermobbing.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Wir erreichen damit zuallererst Menschen, die sich der Kirche verbunden fühlen. Es geht zunächst um das „Wir-Gefühl“. „Community“ und „Socializing“ sind die Netzdeutschen Begriffe für das schlichte Kirchenwort „Gemeinschaft“. Es geht um Kontaktpflege: schnell kommunizieren können, kontrovers diskutieren, einander beraten. Haupt- und Ehrenamtliche können Ideen teilen, Projekte planen über Kirchenkreise hinweg. Ein Weg, Informationen schleunigst, eben viral, zu verbreiten.
Wir können aber auch Kirchenferne erreichen. Christenmenschen, die im Netz unterwegs sind. Genauso wie Suchende, Andersdenkende und Andersglaubende, Atheisten und überhaupt Menschen, mit denen man in geschützten Kirchenwänden nicht so leicht in Kontakt kommt. Oder auch nie.
Das genau ist eine große Chance: Wir können selbst lernen im Netz, Cloud-Learning erleben. Gut lutherisch gesagt, dem oft jungen „Volk aufs Maul schauen“. Für die kirchliche Jugendarbeit ist die Präsenz in den Netzwerken ohnehin ein Muss. Darüber hinaus bieten die Netzwerke auch eigene kirchliche und liturgische Formen aus. Twittagsgebete, Twitterandachten, Gottesdienste mit Beteiligung im Chat und und ...

5. Welche Empfehlungen haben Sie für Social Media Verantwortliche im kirchlichen Bereich, die noch unerfahren sind und gerade am Anfang stehen?
Das Evangelium im Radio in 1:30 Minuten, online in 1.400 Zeichen oder gar in den 140 Zeichen einer Twitternachricht? Das will geübt sein. Wie überall in den sozialen Medien gilt: Learning by doing! Und: Nicht nur über Ernstes und Schweres reden, die Gute Botschaft ist auch ja heiter und leicht. Humor gehört dazu, miteinander rumalbern.
Sich jedoch nur an Likes und Klicks ausrichten, das kann es für Kirche ja nicht sein. Ich will auch Sand sein in diesem Getriebe, in diesem „Klick-mich“-Muster. Bewusst andere Themen setzen. Das geht, auch mal mit flotten Sprüchen, aber vor allem mit einer klaren persönlichen Haltung.
Ob Facebook, Youtube, Google+ oder Twitter, jeder Kanal hat seine Vorzüge. Ich muss zuerst fragen, was will ich teilen und vor allem: Wer will da einsteigen? In jeder Gemeinde gibt es jemanden mit Lust am Web 2.0. Das müssen nicht die Pfarrerinnen sein. Die große Chance der Netzwerke ist ja, die Laien einzubinden. Sie brauchen dafür aber Freiheit und Eigenverantwortung. Vom Pfarrer „zensierte“ Texte und Themen gehen gar nicht.
Auch für mich gibt es einiges, was ich stets neu herausfinden muss. Als Vertreterin einer Institution geht es darum, die Balance zu finden. Einerseits persönlich sein, aber nicht zu privat. Gern kritisch, auch Kirchenkritisch, aber nicht unsolidarisch. Und das Ganze glaubwürdig. Denn was Menschen im Netz sofort spüren, ist fehlende Authentizität. Plattitüden oder offizielle Sprachregelungen sind fehl am Platz.


5 Fragen an Ernst Mettlach


Ernst Mettlach, geb. 2. Februar 1975, verheiratet, zwei Kinder. Bis 2002 Studium der Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Ethnologie in Trier, während des Studiums Tätigkeit als Journalist für verschiedene Zeitungen, Sender und Agenturen, von 2002 bis 2004 Volontariat beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), anschließend von 2004 bis 2006 Autor und Reporter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Von 2007 bis 2012 Redakteur der Bischöflichen Pressestelle Trier, seit Juni 2012 Inhaber der neu geschaffenen Stelle des Social-Media-Managers des Bistums Trier. Nebenher Lehrbeauftragter an der Universität Trier für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Dozent beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) für Soziale Medien. Mitglied der Expertengruppe Social Media der Deutschen Bischofskonferenz (DBK).

1. Seit wann und auf welchen Kanälen betreiben Sie Social Media?
Seit 2009 bin ich für das Bistum Trier in den Sozialen Medien unterwegs. Zunächst nebenher als Redakteur in der Pressestelle, seit 1. Juni 2012 hauptberuflich mit einer vollen Stelle. Derzeit sind wir aktiv bei Facebook, Twitter, Youtube und kleineren Netzwerken. Außerdem betreiben wir Blogs und seit neuestem auch den Podcast „Kreuz & Quer“.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Zunächst ist es Ziel, dass Kirche im Bistum Trier präsent ist in einer neuen Form der Öffentlichkeit. Dort versuche ich zunächst einmal zu hören. Was wird über uns gesprochen? Was denken die Menschen? Wie stehen sie zu unseren Themen? Der Aspekt des Zuhörens ist im Zusammenhang mit den Sozialen Medien ein enorm wichtiger. Dann versuchen wir natürlich auch unsere Inhalte in diese Öffentlichkeit einzuspeisen. Weiter investieren wir viel in die Vermittlung von Medienkompetenz. Wir möchten die Gläubigen im Bistum Trier dazu befähigen, gut unterwegs zu sein im Netz. Letztlich geht es um die Verkündigung der frohen Botschaft in den Sozialen Medien. „Die Türen der Kirche zu öffnen bedeutet auch, sie der digitalen Umwelt zu öffnen; einerseits, damit die Menschen eintreten, in welchen Lebensumständen sie sich auch befinden, andererseits, damit das Evangelium die Schwelle des Gotteshauses überschreiten und hinausgelangen kann, zu allen Menschen“. Das hat Papst Franziskus in seiner Botschaft zum kommenden 48. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel am 1. Juni gesagt und wir versuchen vor Ort einen kleinen Beitrag dazu zu leisten.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social Media Aktivitäten im kirchlichen Bereich – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von verantwortlichen Gremien oder Vorgesetzten?
Die Reaktionen der Vorgesetzten waren bisher sehr positiv. Sowohl Bischof Ackermann, als auch die Leitungsgremien haben mir von Beginn an den Rücken gestärkt, Ressourcen bereit gestellt und mir vor allem die notwendige Freiheit gegeben. Auch die Reaktionen der Nutzer sind meist positiv. Natürlich werden die Kanäle auch genutzt, um Kritik zu äußern. Aber dazu sind sie ja unter anderem da. Trolle gibt es bei uns übrigens auch nicht mehr. Das Wort Shitstorm kann ich übrigens nicht mehr hören. Das, was ich bisher erlebt habe, waren eher Stürme im Wasserglas. Natürlich gibt es auch viele Vorbehalte gegenüber dem Neuen. Jeder, der in einer großen Organisation neues ausprobiert, kennt das.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Wir werden mehr zu einer hörenden Organisation und haben plötzlich einen Rückkanal. Außerdem erreichen wir andere Zielgruppen, als bisher und wir können diese unmittelbarer erreichen, ohne den Umweg über externe Redaktionen.

5. Welche Empfehlungen haben Sie für Social Media Verantwortliche im kirchlichen Bereich, die noch unerfahren sind und gerade am Anfang stehen?
  • Hört zu.
  • Seid neugierig und habt den Mut, Neues auszuprobieren und auch mal Fehler zu machen.
  • Habt Vertrauen.
  • Setzt euch realistische Ziele und überprüft diese.
  • Redet mit den Leuten und lasst euch auf die Kultur des Netzes ein.
  • Habt einen langen Atem.


5 Fragen an Erika von Bassewitz


Erika von Bassewitz ist Online-Redakteurin und Social-Media-Managerin im Frankfurter Medienhaus. Dort gibt sie auch regelmäßig Workshops zum Thema „Social Media“. Sie ist ausgebildete Journalistin und besitzt einen Magister in Philosophie und Französisch. Sie hat in mehreren Ländern gelebt, viele Sprachen gelernt und ist in vielen Medien zu Hause. Seit 2010 betreibt sie Social Media für verschiedene Arbeitgeber, seit 2012 betreut sie die Social Media Kanäle der EKHN.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen betreiben Sie Social Media?
Ich betreue die Social Media Kanäle der EKHN seit Oktober 2012. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Facebook, Twitter und Google+ -  in dieser Reihenfolge. Derzeit sind wir aber auch mit der aktuellen Kampagne „Zum Glück gibt’s den Segen“ auf Instagram vertreten: instagram.com/gluecksegen.

2. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe und was ist Ihr Hauptziel bei der Arbeit mit Sozialen Netzwerken?
Die EKHN versteht sich als Kirche des Dialogs. Deshalb will sie den Dialog auf Augenhöhe mit den Menschen suchen. Auf der einen Seite informieren wir in den sozialen Netzwerken über aktuelle Ereignisse in Hessen und Nassau, auf der anderen Seite gibt es aber auch rege Diskussionen. Die sozialen Netzwerke sind sehr niedrigschwellig. Viele Menschen trauen sich nicht, irgendwo anzurufen, aber ein Facebook-Post? Den hat man schnell geschrieben.

3. Wie sind die Reaktionen auf Ihre Social Media Aktivitäten im kirchlichen Bereich – sowohl von den Nutzern Ihrer Kanäle als auch von verantwortlichen Gremien oder Vorgesetzten?
Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Viele fürchten das, was sie nicht kennen – sind dann aber sehr aufgeschlossen, wenn sie sich mit dem Thema erst einmal auseinandergesetzt haben. Ich gebe auch Social Media Workshops, da merke ich das sehr stark: Viele wollen sich eigentlich nur informieren, was „dieses Facebook denn ist“, aber sobald sie sich einmal eingeloggt haben, sind sie schwer begeistert. Das gilt eigentlich für alle Ebenen.
Unsere Fanzahlen wachsen kontinuierlich und wir bekommen manchmal auch wirklich schöne Rückmeldungen. Der Kampagnenspruch „Merry Birthday“ zum Beispiel wurde zum Sprachpanscher des Jahres nominiert – neben dem Duden. Die Reaktionen unserer Facebook-Nutzer waren überraschenderweise sehr positiv für uns, viele haben den Spruch verteidigt.
Wenn eine Diskussion besonders spannend ist, beziehen wir die sozialen Netzwerke auch in unsere journalistische Arbeit mit ein, etwa in dem wir die Fragen der Facebook Nutzer in ein Experteninterview aufnehmen. Das ist dann wirklich multimedial.

4. Welche Chancen sehen Sie durch Soziale Medien für Ihre Kommunikation?
Die größte Chance liegt darin, mehr Menschen zu erreichen, und zwar solche, die nicht schon jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen. Gerade Jugendliche kommunizieren fast ausschließlich über Facebook, Twitter und Co.

5. Welche Empfehlungen haben Sie für Social Media Verantwortliche im kirchlichen Bereich, die noch unerfahren sind und gerade am Anfang stehen?
Die eigentliche Arbeit beginnt lange vor dem ersten Tweet oder Post. Überlegen Sie zuerst, wen sie wie und wo erreichen wollen. Welche Inhalte können Sie bieten? Wie oft wollen und können Sie posten? Wer betreut den Account? Und ganz wichtig: Warum sollten die Leute auf Ihre Seite kommen? Erstellen Sie einen Redaktionsplan und seien Sie offen für Anregungen. Manchmal steckt hinter dem schlimmsten Kritiker kein Troll, sondern einfach nur ein einsamer Mensch, der sich freut, wenn man ihn ernst nimmt.


5 Fragen an Frank Daxer


Frank Daxer, Stadtjugendreferent im Evangelischen Stadtjugendpfarramt Frankfurt am Main, zuständig für die Fachberatung und -begleitung gemeindepädagogischer Mitarbeiter und die Aus- und Fortbildung von Ehren- und Hauptamtlichen in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit. Ein thematischer Schwerpunkt der Arbeit liegt im Bereich der Medienbildung.

1. Seit wann und auf welchen Kanälen betreiben Sie Social Media?
Seit etwa 2 Jahren nutze ich intensiv Social Media Anwendungen und bewege mich in sozialen Netzwerken.
Eine zentrale Rolle spielt für mich dabei Facebook, wo ich viele Kontakte pflege. Ich bin dort in verschiedenen Gruppen, betreue Seiten von Institutionen und Projekten, tausche Informationen aus und halte Kontakt zu Menschen aus meinem privat und meinem beruflichen Leben.
In letzter Zeit wichtiger geworden ist WhatsApp, dass vorallem bei den jüngeren Menschen in meinem Umfeld